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Studie "Alte Menschen in Südtirol", 1997, Amt für
Senioren und Sozialsprengel der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol
Heim keine Zukunftsperspektive
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Angst vor finanziellen
Problemen im Alter/Wunsch nach alternativem Wohnen
Bozen (Juli) - 26.000 Südtiroler sind derzeit älter als 75 Jahre;
bis zum Jahr 2020 wir diese Zahl auf 51.000 steigen. Auch die Anzahl der
Pflegebedürftigen wird sich erhöhen. Die Gesellschaft muß
sich mit dem Thema Altem deshalb stärker auseinandersetzen. Ein erster
Schritt wurde mit der vom Land in Auftrag gegebenen Studie Alte Menschen
in Südtirol gemacht. Es handelt sich dabei um die erste Studie,
die statt der Meinung und der Eindrücke von Experten jene der Betroffenen
selbst in den Vordergrund stellt.
100 Heimbewohner, 787 ambulant Betreute und 245 sogenannte zukünftige
Senioren (Altersgruppe der 55- bis 59 jährigen) wurden um ihre Aussagen
zur Wohnsituation, Gesundheit, zum sozialen Netzwerk und zur wirtschaftlichen
Situation gebeten, sagte Markus Jenewein, organisatorischer Leiter des Soffi-Instituts
und gleichzeitig Leiter der Studie, gestern bei der Vorstellung der Studie.
Insgesamt zeichnet sich ein sanfter Wandel ab, erklärte Gerhard Wagner,
wissenschaftlicher Leiter des Soffi-Instituts.
Die Studie zeigt, daß rund ein Viertel der Südtiroler nach dem
60. Lebensjahr noch mindestens einmal umzieht - dabei weisen die Italiener
mit 31 Prozent "Mobilitätsrate", wie dieser Umzug wissenschaftlich
genannt wird, den höchsten Anteil auf. Von den zukünftigen Senioren
planen durchschnittlich nur neun Prozent einen Umzug; die Gegenfrage an
61 bis 70jährige ergab genau diese Zahl.
Seniorenhaushalte sind - was keine Überraschung ist - vorwiegend weibliche
Einpersonenhaushalte. Während bei den "wirklichen" Alten
Einpersonenhaushalte 37 Prozent der gesamten Haushalte ausmachen, leben
nur rund 7,2 Prozent der 55- bis 59jährigen allein. Rund zehn Prozent
von ihnen haben nur mäßigen Kontakt zur Umwelt. Die Vereinsamung
war bisher jene Angst, die das Altwerden charakterisierte. Das hat sich
laut Wagner jetzt geändert: "Die 55- bis 59jährigen haben
eher Angst vor finanziellen Schwierigkeiten."
In den 66 Südtiroler lnstitutionen wohnen rund vier Prozent der über
64jährigen. Das entspricht dem vorhandenen Platzangebot. Die Heime
werden von ambulant betreuten Senioren skeptisch betrachtet - vor allem,
weil das Private und Selbständige mehr und mehr verloren geht. Die
Heimbewohner fühlen sich in den Einrichtungen dennoch recht wohl (siehe
Graphik).
Von den 55- bis 59jährigen wollen allerdings die wenigsten ins Heim:
29,3 Prozent sehen den Heimeintritt als Erwartungsperspektive, für
63,6 Prozent kommt das nicht in Frage. Die Ladiner wehren sich hier am meisten:
92 Prozent der Befragten wollen nur im Notfall in ein Heim gehen. Die zukünftigen
Senioren sehen im gemeinschaftlichen Wohnen eine interessante Perspektive;
ein Primar hält dem allerdings folgendes entgegen: "Die Toleranz
zwischen den Alten ist viel geringer als die Toleranz zwischen Jungen."
Einen Heimplatz geplant haben 21,2 Prozent der zukünftigen Senioren.
Pressemeldung: Dolomiten - Nr. 127, Freitag, 5. Juni
1998, Seite 13
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