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Studie "Alte Menschen in Südtirol", 1997, Amt für Senioren und Sozialsprengel der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol





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Diese Kurzfassung gibt einen Einblick in die Ergebnisse einer umfassende Studie mit dem Titel "Alte Menschen in Südtirol" (Auftraggeber: Amt für Senioren und Sozialsprengel, Südtiroler Landesregierung), deren Endbericht seit Februar 1998 vorliegt. Ausführlichere methodische und technische Details dieser Studie sind, ebenso wie die detaillierten Datenergebnisse im Endbericht, enthalten. In diesem Sinn soll diese Kurzfassung nicht zuletzt als Leseanregung für den Gesamtbericht dienen, der in seiner Komplexität eigentlich nicht wirklich "verkürzt" werden kann.

Die gesellschaftlichen Bilder des "Alterns" sind ganz allgemein vielfach negativ getönt: Einerseits stehen (oft sehr einseitig) Verluste, Einschränkungen und Abbau im Vordergrund; auf der anderen Seite geht es um gesellschaftlich zu verteilende Lasten, wie etwa von Betreuungs- und Pflegeleistungen.
In Zukunft sollte sowohl die Selbstbestimmungsfähigkeit im Alter als auch die Gestaltbarkeit sozialer Beziehungen und sozialer Unterstützung stärkeres Gewicht bekommen, wobei Autonomie und Solidarität gleichwertig und kooperativ - also nicht unter dem Konkurrenzprinzip - verhandelt werden sollten.
Verhandlungsebene stellt dabei nicht nur die Familie dar. Das "Netzwerk Familie" hat zwar in Südtirol nach wie vor besondere Bedeutung und stellt für fast drei Viertel der Südtiroler Senioren einen zentralen, sinnstiftenden Lebenswert dar.
Dennoch wird in Zukunft nicht nur die Familie als Verhandlungsebene im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Geschlechter, die Generationen diesseits und jenseits familialer Systeme. Die Erweiterung der Verhandlungsebene ermöglicht eine neue Balance von Bedürfnissen, Möglichkeiten und Risiken, indem intensiv über gesetzliche Regelungen (etwa die Pflegeversicherung), über Wohn- und Lebensformen im Alter (etwa "gemeinschaftliches Wohnen") oder die Gestaltung von sozialen Netzwerken, Versorgungsangeboten und die Rolle der Senioren in der Gesellschaft nachgedacht und diskutiert wird.

Hier bringt die Studie einige überraschende Erkenntnisse, insbesondere was die zukünftige Entwicklung angeht. So läßt sich der erwartbare Wandel weniger als radikaler Bruch mit Bestehendem oder als eine harte Neuorientierung beschreiben, wie es unter dem Etiktett der "neuen Alten" nicht selten suggeriert wird.

* Die Mobilität der zukünftigen Alten hält sich beispielsweise in den gleichen Grenzen wie bei den heutigen Senioren. Ein Wohnungs- oder Wohnortwechsel wird auch in Zukunft primär einen unterstützungsorientierten Hintergrund haben.
* Fünf Sechstel der zukünftigen Senioren würden im Bedarfsfall einer längerdauernden Pflege von ihren Angehörigen gepflegt werden wollen, wobei wiederum der allergrößte Teil meint, daß diese Angehörigen sie auch angemessen und ausreichend unterstützen würden. Dies bedeutet, daß in Zukunft, so wie heute, wo etwa 80% der Versorgung und Betreuung älterer Menschen im Familienverband erfolgt, kaum Veränderungen in der Anspruchshaltung der Betroffenen zu erwarten sind.
* So findet nicht zuletzt eine Mehrheit der zukünftigen Senioren, daß sich ihre Ansprüche ans - und die Vorstellungen vom - Altern, nicht wesentlich von denen der heutigen Senioren über 75 Jahren unterscheiden.

Ein Wandel zeichnet sich jedoch in der Bedeutung der Rolle, welche die Senioren in der Südtiroler Gesellschaft spielen, ab. Stimmt nur etwa ein Drittel der zukünftigen Senioren der Aussage sehr stark zu, daß die heute Über-65Jährigen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, sind 56% dieser Befragten sehr stark davon überzeugt, daß sie selbst heute mehr Möglichkeiten hätten, sich aktiv in der Gesellschaft zu betätigen, als die vorige Generation. Hier scheint es darüber hinaus zu einer Normalisierung zwischen den Sprachgruppen zu kommen: Während die Rolle der heutigen Senioren je nach Sprachgruppenzugehörigkeit sehr unterschiedlich bewertet wird, werden die zukünftigen, eigenen Partizipationschancen relativ einheitlich, positiver bewertet.

Auch die Haltung und die Einstellung gegenüber dem eigenen Altern scheint sich wesentlich gewandelt zu haben. Hatte die bewußte Beschäftigung mit dem eigenen Altwerden bei den heutigen Senioren nur für etwa ein Drittel der Befragten eine Bedeutung, lehnen die heute 55-59Jährigen, als Repräsentanten einer "neuen" Seniorengeneration, die Aussage "Ich verdränge die Gedanken ans Älterwerden" ganz entschieden ab. Eine wichtige Aufgabe für die Politik könnte es sein, diese bei den "jungen Alten" grundsätzlich vorhandene Bereitschaft, sich mit dem eigenen Altern zu beschäftigen, mit Inhalten aufzufüllen, Themen zu definieren, diese zu konkretisieren und an einer Informationsverbreiterung mitzuwirken, was Älterwerden aus sozial- und gesundheitspolitischer Sicht auf jeden Fall auch bedeutet.

Eine ganz erstaunliche Offenheit gegenüber "alternativen" Wohnformen für ältere Menschen findet sich als Ausdruck einer hohen Bereitschaft zukünftiger Südtiroler Senioren, das Spektrum derzeitiger Wohn- und Lebensformen im Alter zu erweitern. Die 55-59Jährigen äußerten eine erstaunlich ausgeprägte Zustimmung zur Aussage: "Grundsätzlich finde ich alternative Wohnformen für ältere Menschen auch für mich eine interessante Perspektive (wie etwa Seniorenwohngemeinschaften oder generationenübergreifende Wohnprojekte)".
Die Aussage "Eine der größten Gefahren des Alterns ist die Vereinsamung" wurde auf der anderen Seite ebenfalls mit einer sehr ausgeprägten Zustimmung bejaht. Bringt man nun diese beiden, mit hoher Zustimmung getragenen, Aussagen in einen Deutungszusammenhang, ergibt sich ein stringenter Sinn, der einerseits Ängste, auf der anderen Seite Ansprüche miteinander verknüpft: Hier die Angst in die soziale Isolation zu geraten, zu vereinsamen, Kontakt und Anschluß zu verlieren; dort der Anspruch nach individueller, überschaubarer Gestaltung und Kontrolle des eigenen Lebensraumes.

Alltag im Alter bedeutet vor allem Wohnalltag. Altenhaushalte bestehen heute im Vergleich zu anderen Altersgruppen wesentlich häufiger aus Einpersonenhaushalten - im besonderen von älteren Frauen - ältere Menschen leben häufiger in Wohnungen, die mit Mängeln behaftet sind und Haushalte mit Personen über 60 Jahren sind vermehrt in Altbauten zu finden. Vielfach geht es da um Kleinigkeiten und kleine Verbesserungen, die aber im weiteren sehr entscheidend für eine selbständige Lebens- und Haushaltsführung werden können. Neben der Information über altersgerechte Wohnungsanpassungsmaßnahmen würde für eine gezielte Wohnberatung ganz besonders auch die Motivationsarbeit eine zentrale Aufgabe darstellen. Ältere Menschen verdrängen im Bedarfsfall gerne und nachhaltig das Faktum einer zunehmenden Gebrechlichkeit. Deshalb ist eine Wohnberatung dann besonders effektiv und nachhaltig wirksam, wenn die vorsorgende Bedeutung in den Vordergrund rückt, genauso wie die Tatsache, daß die Vorteile prinzipiell allen Altersgruppen zugute kommen können.

Etwa 4% der älteren Bevölkerung ab 64 Jahren lebt in einer der 66 Südtiroler institutionellen Alteneinrichtungen. Diese auf den ersten Blick niedere Zahl sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Ziffer nur Auskunft über das vorhandene Platzangebot, nicht jedoch über die Wahrscheinlichkeit gibt, im Alter eine Heimversorgung in Anspruch zu nehmen bzw. in einem Heim zu sterben. Die bewußte Beschäftigung mit der Möglichkeit, im Alter (bzw. in einem gewissen Zustand) ein Heim in Anspruch zu nehmen, spielt nur bei einer kleineren Zahl von Senioren eine Rolle.
Um dem, vor allem bei älteren Senioren vorhandenen, negativen Image der Heime, als ultimativer Station "ohne Aussicht" aktiv entgegenzutreten und langsam Anpassungsprozesse an die sich wandelnden Bedürfnisse zukünftiger Benutzer einzuleiten, wäre es sinnvoll, einerseits eine stärker therapeutische Orientierung zu forcieren und auf der anderen Seite zu versuchen, sich zum Umfeld hin stärker zu öffnen.

Die Heimbewohner selbst wurden gefragt, ob sie im beginnenden Alter (mit 65 Jahren) daran gedacht hätten, einmal in einem Heim, so wie in ihrem jetzigen Lebensort, zu leben. Fast zwei Drittel der Befragten verneinten dies; besonders interessant ist dabei der Aspekt, daß mit steigendem aktuellem Pflegebedarf im Heim auch die retrospektive Einschätzung der Möglichkeit, in einem Heim zu leben, negativer gesehen wird: Verneinten dies 54% der Senioren im Wohnbereich, waren es schon 68% der Teilpflegebedürftigen und 73% der Vollpflegebedürftigen. Daraus läßt sich auch ein gewisser Rückschluß auf die Intensität der Ausblendung und Verdrängung einer ungewünschten Lebensrealität ableiten.

Jene Senioren, die sich "in ihren eigenen vier Wänden" ja auch ein Stück weit gegen ein "Leben im Heim" wehren, kämpfen auch gegen die Vorstellung an, daß ein Heim zur Realität werden könnte: Für weniger als ein Drittel ist nur der Gedanke ans Heim überhaupt zu einer existierenden Möglichkeit geworden, das Gros der Befragten räumt dieser Option keinen Platz ein.

Bei den 55-59Jährigen, also den zukünftigen Senioren, spielt für etwa 20% der bewußt geplant in Anspruch genommene Pflegeheimplatz - im Falle eines längerdauernden Pflegebedarfs - eine Rolle. Der Rest würde das Heim nur im Notfall in Anspruch nehmen und rechnet nicht damit, je dort zu leben. Am drastischsten ist die Einschätzung der Ladiner, von denen 92% nur im Notfall in ein Heim gehen würden (Italienischsprachige: 72%; Deutschsprachige: 76%).

Zusammenfassend könnte man zu folgenden Schlußfolgerungen kommen: Ältere Senioren, die bereits eingetretene Funktionseinschränkungen und -verluste in ihr alltägliches Leben zu Hause integrieren und Bewältigungsstrategien finden müssen, nehmen an Pflegeheimen vor allem die bedrohliche Seite des Verlusts wahr. Verloren gehen Autonomie, Lebensfreude, der Kontakt mit der vertrauten Lebens- und Wohnumgebung, die Hoffnung.
Umgekehrt sehen die zukünftigen Senioren Heime als notwendige, entlastende "Versicherung", die gegen Überforderung schützen soll, die in der Logik einer differenzierten, arbeitsteiligen Welt, vielleicht keine optimale, keine notwendigerweise freudvolle aber dafür eine bequeme, komfortable Lösung anbietet.

Ein deutlicher Zusammenhang besteht zwischen der Einschätzung, ob die Angehörigen im Bedarfsfall eine angemessene und ausreichende Pflege leisten könnten: Von jenen angehenden Senioren, die von dieser Unterstützung positiv ausgehen, würden nur 16% vorsorglich und bewußt geplant ins Heim gehen, von den anderen, die mit einer derartigen Unterstützung nicht rechnen, sind es beachtliche 35%.
In diesem Sinn wäre eine der Aufgaben, die Heime aus einer gewissen Isolierung herauszubringen, lebendige Kooperationen mit - und Übergänge zu - den anderen Diensten der Gesundheitsversorgung und Altenhilfe zu schaffen. Dafür sind Aktivitäten aus den Heimen selbst heraus nötig, aber genauso Initiativen, die in die Heime hineinwirken.

Im Unterschied zur schnellen, teuren, intensiven und hochtechnisierten Akutversorgung im Krankenhaus versucht eine geriatrische Behandlung neben medizinischen und therapeutischen Aspekten immer auch präventive und insbesondere soziale Gesichtspunkte in den Behandlungs- und Betreuungsplan einfließen zu lassen. Dazu gehören breitgefächerte therapeutische Angebote genauso wie psychologische, seelsorgerische und sozialarbeiterische Betreuung durch ein multiprofessionelles Team.
Wie relevant die Bemühung um eine verbesserte soziale Interaktion im Rahmen einer ganzheitlichen Versorgung sein könnte, wird am Beispiel des subjektiv empfundenen Einbindungsgrades in das lokale Gemeinwesen oder hinsichtlich der sozialen Beziehungen und Kontakte zu Nachbarn deutlich. 38% jener Senioren, die über Sozialdienste betreut werden, gaben an, sich im lokalen Gemeinwesen eher außenstehend zu fühlen, eher eingebunden fühlen sich 40%; (22% enthielten sich ihrer Stimme).
Noch deutlicher - bei höherer Antwortbeteiligung (nur 10% Stimmenthaltungen) - wird es bei den sozialen Beziehungen und Kontakten zu Nachbarn: 48% geben an, hier nur schwachen Kontakt zu haben.

Verkreuzt man nun diese beiden Antwortbereiche, zeigt sich, daß ein starker Zusammenhang zwischen der Eingebundenheit im Größeren (dem lokalen Gemeinwesen) und funktionierender sozialer Beziehungen im Kleineren (zu den Nachbarn) besteht. Umgekehrt läßt sich nachweisen, daß die Mikrobeziehungen (Nachbarn) einen gestörten Makrobezug (Gemeinwesen) nicht ausgleichen können.

Mit steigendem Alter dünnt sich dabei das Gefühl "sozial eingebunden zu sein" aus, sodaß der Anteil der Höchstaltrigen (91 und mehr Lebensjahre), die das Gefühl haben, in lebendigem Kontakt mit ihrer Umwelt zu stehen um ein Drittel kleiner ist als der jeweilige Anteil in der Altersgruppe der 61-70Jährigen.

Die heute durch soziale und gesundheitsbezogene Dienste ambulant betreuten Senioren verfügen über konkrete Erfahrungen mit den jeweiligen Hilfs- und Betreuungsangeboten. Diese Senioren signalisieren dabei eine sich verändernde Haltung gegenüber der öffentlichen Hand. So findet es nur ein Drittel dieser Senioren wichtig, daß die entsprechenden Einrichtungen und Dienste von der öffentlichen Hand betrieben werden. Immerhin die Hälfte meint bereits, daß die Senioren diese Angebote mit ihren Bedürfnissen und Wünschen verstärkt mitgestalten können sollten.
Was die Kosten und persönlichen Ausgaben im Gesundheitsbereich angeht, kann man deutliche Steigerungen erkennen, was seine Ursache nicht nur in demografischen Entwicklungen als besonders im enormen medizinischen Fortschritt hat.
Jene Senioren, die aktuell über die Sozialsprengel ambulant/mobil betreut werden und damit auch deklariert zu jenen älteren Menschen zählen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Erfahrungen mit Ausgaben für Heilbehelfe, Medikamente oder medizinisch-rehabilitativen Dienstleistungen haben, artikulierten die Dimension der subjektiv erlebten Kostensteigerung.
So meinten 46% der befragten Senioren, daß sich ihre persönlichen Ausgaben zur Aufrechterhaltung oder Wiedererlangung ihrer Gesundheit in den letzten 3 Jahren sehr stark oder deutlich gesteigert hätten, 34% konnten keine Veränderung feststellen und 11% gaben gesunkene Kosten an (10% machten keine Angaben). Besonders in der Altersgruppe der 81-90Jährigen wurden - noch über dem Altersschnitt liegende - Kostensteigerungen festgestellt (52% der Befragten gaben sehr stark oder deutlich gestiegene Kosten an).
Die zukünftige Kostenentwicklung ist dabei von mehreren Faktoren bestimmt, und läßt sich heute nicht seriös festlegen. Da es keinen festen Zusammenhang zwischen Alter, Betreuungsbedürftigkeit, Gesundheitszustand und familiären Ressourcen gibt, bleiben alle Trendhochrechnungen ausgesprochen unverbindlich.
Zentraler sozial- und gesundheitspolitischer Ansatzpunkt kann nur die Prävention von Betreuungs- bzw. Pflegebedürftigkeit bleiben, wobei in allen Entwicklungsstadien - bei eingetretenem Betreuungsbedarf, bei beginnendem Pflegebedarf bis hin zum intensiven Pflegebedarf - eigentlich das Prinzip der Wahl der günstigsten Variante gelten sollte.
Das heißt, daß man aufgrund heute bestehender Erfahrungen beispielsweise die Entscheidung trifft, die Senioren wo möglich zu Hause zu betreuen, oder - in einem noch früheren präprofessionellen Betreuungsstadium - daß durch ein umfassendes Informationsmanagement die individuellen Ressourcen von Senioren, von deren Angehörigen, von örtlichen Interessensgruppen usf. möglichst effektiv in einen Gesamtzusammenhang der Betreuung und Unterstützung von älteren Menschen in Südtirol einfließen können.

Wenn man zum Altern hin ökonomische Betrachtungen anstellt, ist es sehr wichtig, nicht verzerrten Wahrnehmungen der Betreuungsbedürftigkeit älterer Menschen aufzusitzen. In Wirklichkeit sind rund 30% der Menschen über 60 in vielfältiger Form - auf niederem Niveau - betreuungsbedürftig. Viel mehr als intensive Pflege ist dabei die Gewährleistung relativ kleiner, überschaubarer betreuerischer Dienstleistungen für relativ viele Menschen über einen relativ langen Zeitraum hinweg wichtig.

Aus vielen Passagen der vorliegenden Studie leitet sich ein Frage- und Informationsbedarf von Senioren, Angehörigen, zukünftig alten Menschen ab, der aktuell nur sehr ungenügend gemanagt wird. Dieses fehlende Informationsmanagement beschreibt dabei weniger ein Versagen der einzelnen Einrichtungen und Dienste, sondern den Umstand, daß die Interessen der Betroffenen vielfältig, widersprüchlich, inhomogen und komplex sind, genauso wie auch die angebotenen Lösungen und institutionell gefaßten Antworten vielfältig, z.T. widersprüchlich, inhomogen und komplex sein können.

Altenpolitik als solche ist zu einem Querschnittsthema für viele Politikbereiche geworden und läßt sich nur schwer in einem Ressort bändigen. All dies spricht dafür, aus den Fragestellungen, die Betroffene aus ihrem Alltag heraus entwickeln, die Leitlinien einer weiteren Beobachtung der Situation des Alterns zu beziehen. Die Situation alter Menschen ist in diesem Sinn ja nie statisch sondern es geht um dynamische Prozesse des Alterns, um Anpassungsvorgänge, um ein differenziertes System der Bedarfs- und Angebotsentwicklung.
Nicht zuletzt ist eine wesentliche Ableitung der vorliegenden Studie, daß es eine grundsätzliche Informations- und Veränderungsbereitschaft der künftigen Senioren gibt, die durch ein geeignetes und gezieltes Informationsmanagement unterstützt werden sollte.

Die Beobachtung der zukünftigen Entwicklung kann daher nicht in einer einseitigen Festlegung auf die Rolle des Beobachtens gelöst werden, sondern nur in einer aktiven, "teilnehmenden", interagierenden Rolle, die sich nicht auf das Beobachten beschränkt, sondern das Wahrgenommene verarbeitet, aufbereitet, in höherwertiger Form der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung stellt, selbst in den Gestaltungs- und Definitionsprozeß "was ist Altern in Südtirol" verantwortungsvoll eingreift.

Nicht der "stumme" Beobachter ist gefragt, sondern eine kompetente, bislang fehlende Funktion, die Fragestellungen von Betroffenen auf allen Ebenen (Senioren, Angehörige, junge Menschen, Professionisten etc.) aufnimmt, sie bearbeitet, auswertet, aufbereitet und damit drei Dinge bewirkt:
a) Ein Marketing von Ideen, Anregungen, Gestaltungsvorschlägen, Modellen rund ums Altern in Südtirol und damit die aktive Beschäftigung mit diesem so wichtigen Thema für breite Bevölkerungskreise anregt
b) Die Entwicklung eines "roten Fadens" in der öffentlichen Diskussion um die Gestaltung von Leistungsangeboten, Versorgungsstrukturen, Transparenz über die Kostenzusammenhänge etc.
c) Das Aufspüren von Schwachstellen, von Kraftpunkten für Veränderungen, von Angebotsdefiziten und "blinden Flecken", von sich anbietenden Allianzen und kooperativen Strategien.

All diese Aufgaben wären geeigneterweise in einer "Informationsstelle Altern" zusammenzufassen. Bei der bestehenden regionalisierten und dezentralisierten Leistungserbringung bzw. Entscheidungskompetenz, erscheint es sinnvoll, das Informationsmanagement, Alternsfragen betreffend, überregional, zentral zu organisieren. Einige Überlegungen seien dazu angeführt:
* So leuchtet es unmittelbar ein, daß z.B. großflächige Informationskampagnen nicht erfolgreich sein können, wenn sie nicht zentral und gesamthaft organisiert und angelegt sind.
* Für viele Fragestellungen erscheint nicht der Regionalbezug von beherrschender Bedeutung, sondern vielmehr die Vermittlung von Kontakten und Bezügen über die eigene lokale Wahrnehmungs- und Informationsgrenze hinaus, z.B. wenn Betroffene Anschluß an eine Selbsthilfegruppe (oder nach weiteren Interessenten) suchen, von dessen Thema nur relativ wenige Menschen betroffen sind.
* Aus der Bündelung von Anfragen oder Interessensbekundungen entstehen bei geeigneter Betreuung nicht selten interessante Modellprojekte. Auch hier bietet sich eine zentrale Informationsstelle an, die sozusagen als Innovationsagentur auch einen direkten und einfach zu findenden Zugang zu neuen Formen des Wohnens, der sozialen Netzwerkunterstützung etc. bieten könnte.
* All dies steht unter dem "Multiplikatorprinzip". Heute erscheint es vielfach so, daß Energien zuwenig gebündelt, werden, verpuffen, an falscher Stelle eingesetzt werden.
In diesem Sinn scheint ein erhöhter Steuerungsbedarf gegeben. Multiplikatorbildung meint damit, aus der Konzentration von Erfahrungen, Ideen, Ressourcen und Interesse Bürger wie Professsionisten so anzureichern, daß diese in ihrem Umfeld Information - und nicht zuletzt Ermutigung - weitertragen und im Laufe der Zeit zu einer Bewegung führen, die die Gesichter und Bilder des Alterns in ein für viele Betroffene, Experten wie Laien, freundlicheres Licht tauchen.

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