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Diese Kurzfassung gibt einen Einblick in die Ergebnisse einer umfassende
Studie mit dem Titel "Alte Menschen in Südtirol" (Auftraggeber:
Amt für Senioren und Sozialsprengel, Südtiroler Landesregierung), deren
Endbericht seit Februar 1998 vorliegt. Ausführlichere methodische und
technische Details dieser Studie sind, ebenso wie die detaillierten Datenergebnisse
im Endbericht, enthalten. In diesem Sinn soll diese Kurzfassung nicht
zuletzt als Leseanregung für den Gesamtbericht dienen, der in seiner Komplexität
eigentlich nicht wirklich "verkürzt" werden kann.
Die gesellschaftlichen Bilder des "Alterns" sind ganz allgemein
vielfach negativ getönt: Einerseits stehen (oft sehr einseitig) Verluste,
Einschränkungen und Abbau im Vordergrund; auf der anderen Seite geht es
um gesellschaftlich zu verteilende Lasten, wie etwa von Betreuungs- und
Pflegeleistungen.
In Zukunft sollte sowohl die Selbstbestimmungsfähigkeit im Alter als auch
die Gestaltbarkeit sozialer Beziehungen und sozialer Unterstützung stärkeres
Gewicht bekommen, wobei Autonomie und Solidarität gleichwertig und kooperativ
- also nicht unter dem Konkurrenzprinzip - verhandelt werden sollten.
Verhandlungsebene stellt dabei nicht nur die Familie dar. Das "Netzwerk
Familie" hat zwar in Südtirol nach wie vor besondere Bedeutung und
stellt für fast drei Viertel der Südtiroler Senioren einen zentralen,
sinnstiftenden Lebenswert dar.
Dennoch wird in Zukunft nicht nur die Familie als Verhandlungsebene im
Mittelpunkt stehen, sondern auch die Geschlechter, die Generationen diesseits
und jenseits familialer Systeme. Die Erweiterung der Verhandlungsebene
ermöglicht eine neue Balance von Bedürfnissen, Möglichkeiten und Risiken,
indem intensiv über gesetzliche Regelungen (etwa die Pflegeversicherung),
über Wohn- und Lebensformen im Alter (etwa "gemeinschaftliches Wohnen")
oder die Gestaltung von sozialen Netzwerken, Versorgungsangeboten und
die Rolle der Senioren in der Gesellschaft nachgedacht und diskutiert
wird.
Hier bringt die Studie einige überraschende Erkenntnisse, insbesondere
was die zukünftige Entwicklung angeht. So läßt sich der erwartbare Wandel
weniger als radikaler Bruch mit Bestehendem oder als eine harte Neuorientierung
beschreiben, wie es unter dem Etiktett der "neuen Alten" nicht
selten suggeriert wird.
* Die Mobilität der zukünftigen Alten hält sich beispielsweise in den
gleichen Grenzen wie bei den heutigen Senioren. Ein Wohnungs- oder Wohnortwechsel
wird auch in Zukunft primär einen unterstützungsorientierten Hintergrund
haben.
* Fünf Sechstel der zukünftigen Senioren würden im Bedarfsfall einer längerdauernden
Pflege von ihren Angehörigen gepflegt werden wollen, wobei wiederum der
allergrößte Teil meint, daß diese Angehörigen sie auch angemessen und
ausreichend unterstützen würden. Dies bedeutet, daß in Zukunft, so wie
heute, wo etwa 80% der Versorgung und Betreuung älterer Menschen im Familienverband
erfolgt, kaum Veränderungen in der Anspruchshaltung der Betroffenen zu
erwarten sind.
* So findet nicht zuletzt eine Mehrheit der zukünftigen Senioren, daß
sich ihre Ansprüche ans - und die Vorstellungen vom - Altern, nicht wesentlich
von denen der heutigen Senioren über 75 Jahren unterscheiden.
Ein Wandel zeichnet sich jedoch in der Bedeutung der Rolle, welche die
Senioren in der Südtiroler Gesellschaft spielen, ab. Stimmt nur etwa ein
Drittel der zukünftigen Senioren der Aussage sehr stark zu, daß die heute
Über-65Jährigen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, sind
56% dieser Befragten sehr stark davon überzeugt, daß sie selbst heute
mehr Möglichkeiten hätten, sich aktiv in der Gesellschaft zu betätigen,
als die vorige Generation. Hier scheint es darüber hinaus zu einer Normalisierung
zwischen den Sprachgruppen zu kommen: Während die Rolle der heutigen Senioren
je nach Sprachgruppenzugehörigkeit sehr unterschiedlich bewertet wird,
werden die zukünftigen, eigenen Partizipationschancen relativ einheitlich,
positiver bewertet.
Auch die Haltung und die Einstellung gegenüber dem eigenen Altern scheint
sich wesentlich gewandelt zu haben. Hatte die bewußte Beschäftigung mit
dem eigenen Altwerden bei den heutigen Senioren nur für etwa ein Drittel
der Befragten eine Bedeutung, lehnen die heute 55-59Jährigen, als Repräsentanten
einer "neuen" Seniorengeneration, die Aussage "Ich verdränge
die Gedanken ans Älterwerden" ganz entschieden ab. Eine wichtige
Aufgabe für die Politik könnte es sein, diese bei den "jungen Alten"
grundsätzlich vorhandene Bereitschaft, sich mit dem eigenen Altern zu
beschäftigen, mit Inhalten aufzufüllen, Themen zu definieren, diese zu
konkretisieren und an einer Informationsverbreiterung mitzuwirken, was
Älterwerden aus sozial- und gesundheitspolitischer Sicht auf jeden Fall
auch bedeutet.
Eine ganz erstaunliche Offenheit gegenüber "alternativen" Wohnformen
für ältere Menschen findet sich als Ausdruck einer hohen Bereitschaft
zukünftiger Südtiroler Senioren, das Spektrum derzeitiger Wohn- und Lebensformen
im Alter zu erweitern. Die 55-59Jährigen äußerten eine erstaunlich ausgeprägte
Zustimmung zur Aussage: "Grundsätzlich finde ich alternative Wohnformen
für ältere Menschen auch für mich eine interessante Perspektive (wie etwa
Seniorenwohngemeinschaften oder generationenübergreifende Wohnprojekte)".
Die Aussage "Eine der größten Gefahren des Alterns ist die Vereinsamung"
wurde auf der anderen Seite ebenfalls mit einer sehr ausgeprägten Zustimmung
bejaht. Bringt man nun diese beiden, mit hoher Zustimmung getragenen,
Aussagen in einen Deutungszusammenhang, ergibt sich ein stringenter Sinn,
der einerseits Ängste, auf der anderen Seite Ansprüche miteinander verknüpft:
Hier die Angst in die soziale Isolation zu geraten, zu vereinsamen, Kontakt
und Anschluß zu verlieren; dort der Anspruch nach individueller, überschaubarer
Gestaltung und Kontrolle des eigenen Lebensraumes.
Alltag im Alter bedeutet vor allem Wohnalltag. Altenhaushalte bestehen
heute im Vergleich zu anderen Altersgruppen wesentlich häufiger aus Einpersonenhaushalten
- im besonderen von älteren Frauen - ältere Menschen leben häufiger in
Wohnungen, die mit Mängeln behaftet sind und Haushalte mit Personen über
60 Jahren sind vermehrt in Altbauten zu finden. Vielfach geht es da um
Kleinigkeiten und kleine Verbesserungen, die aber im weiteren sehr entscheidend
für eine selbständige Lebens- und Haushaltsführung werden können. Neben
der Information über altersgerechte Wohnungsanpassungsmaßnahmen würde
für eine gezielte Wohnberatung ganz besonders auch die Motivationsarbeit
eine zentrale Aufgabe darstellen. Ältere Menschen verdrängen im Bedarfsfall
gerne und nachhaltig das Faktum einer zunehmenden Gebrechlichkeit. Deshalb
ist eine Wohnberatung dann besonders effektiv und nachhaltig wirksam,
wenn die vorsorgende Bedeutung in den Vordergrund rückt, genauso wie die
Tatsache, daß die Vorteile prinzipiell allen Altersgruppen zugute kommen
können.
Etwa 4% der älteren Bevölkerung ab 64 Jahren lebt in einer der 66 Südtiroler
institutionellen Alteneinrichtungen. Diese auf den ersten Blick niedere
Zahl sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Ziffer nur
Auskunft über das vorhandene Platzangebot, nicht jedoch über die Wahrscheinlichkeit
gibt, im Alter eine Heimversorgung in Anspruch zu nehmen bzw. in einem
Heim zu sterben. Die bewußte Beschäftigung mit der Möglichkeit, im Alter
(bzw. in einem gewissen Zustand) ein Heim in Anspruch zu nehmen, spielt
nur bei einer kleineren Zahl von Senioren eine Rolle.
Um dem, vor allem bei älteren Senioren vorhandenen, negativen Image der
Heime, als ultimativer Station "ohne Aussicht" aktiv entgegenzutreten
und langsam Anpassungsprozesse an die sich wandelnden Bedürfnisse zukünftiger
Benutzer einzuleiten, wäre es sinnvoll, einerseits eine stärker therapeutische
Orientierung zu forcieren und auf der anderen Seite zu versuchen, sich
zum Umfeld hin stärker zu öffnen.
Die Heimbewohner selbst wurden gefragt, ob sie im beginnenden Alter (mit
65 Jahren) daran gedacht hätten, einmal in einem Heim, so wie in ihrem
jetzigen Lebensort, zu leben. Fast zwei Drittel der Befragten verneinten
dies; besonders interessant ist dabei der Aspekt, daß mit steigendem aktuellem
Pflegebedarf im Heim auch die retrospektive Einschätzung der Möglichkeit,
in einem Heim zu leben, negativer gesehen wird: Verneinten dies 54% der
Senioren im Wohnbereich, waren es schon 68% der Teilpflegebedürftigen
und 73% der Vollpflegebedürftigen. Daraus läßt sich auch ein gewisser
Rückschluß auf die Intensität der Ausblendung und Verdrängung einer ungewünschten
Lebensrealität ableiten.
Jene Senioren, die sich "in ihren eigenen vier Wänden" ja auch
ein Stück weit gegen ein "Leben im Heim" wehren, kämpfen auch
gegen die Vorstellung an, daß ein Heim zur Realität werden könnte: Für
weniger als ein Drittel ist nur der Gedanke ans Heim überhaupt zu einer
existierenden Möglichkeit geworden, das Gros der Befragten räumt dieser
Option keinen Platz ein.
Bei den 55-59Jährigen, also den zukünftigen Senioren, spielt für etwa
20% der bewußt geplant in Anspruch genommene Pflegeheimplatz - im Falle
eines längerdauernden Pflegebedarfs - eine Rolle. Der Rest würde das Heim
nur im Notfall in Anspruch nehmen und rechnet nicht damit, je dort zu
leben. Am drastischsten ist die Einschätzung der Ladiner, von denen 92%
nur im Notfall in ein Heim gehen würden (Italienischsprachige: 72%; Deutschsprachige:
76%).
Zusammenfassend könnte man zu folgenden Schlußfolgerungen kommen: Ältere
Senioren, die bereits eingetretene Funktionseinschränkungen und -verluste
in ihr alltägliches Leben zu Hause integrieren und Bewältigungsstrategien
finden müssen, nehmen an Pflegeheimen vor allem die bedrohliche Seite
des Verlusts wahr. Verloren gehen Autonomie, Lebensfreude, der Kontakt
mit der vertrauten Lebens- und Wohnumgebung, die Hoffnung.
Umgekehrt sehen die zukünftigen Senioren Heime als notwendige, entlastende
"Versicherung", die gegen Überforderung schützen soll, die in
der Logik einer differenzierten, arbeitsteiligen Welt, vielleicht keine
optimale, keine notwendigerweise freudvolle aber dafür eine bequeme, komfortable
Lösung anbietet.
Ein deutlicher Zusammenhang besteht zwischen der Einschätzung, ob die
Angehörigen im Bedarfsfall eine angemessene und ausreichende Pflege leisten
könnten: Von jenen angehenden Senioren, die von dieser Unterstützung positiv
ausgehen, würden nur 16% vorsorglich und bewußt geplant ins Heim gehen,
von den anderen, die mit einer derartigen Unterstützung nicht rechnen,
sind es beachtliche 35%.
In diesem Sinn wäre eine der Aufgaben, die Heime aus einer gewissen Isolierung
herauszubringen, lebendige Kooperationen mit - und Übergänge zu - den
anderen Diensten der Gesundheitsversorgung und Altenhilfe zu schaffen.
Dafür sind Aktivitäten aus den Heimen selbst heraus nötig, aber genauso
Initiativen, die in die Heime hineinwirken.
Im Unterschied zur schnellen, teuren, intensiven und hochtechnisierten
Akutversorgung im Krankenhaus versucht eine geriatrische Behandlung neben
medizinischen und therapeutischen Aspekten immer auch präventive und insbesondere
soziale Gesichtspunkte in den Behandlungs- und Betreuungsplan einfließen
zu lassen. Dazu gehören breitgefächerte therapeutische Angebote genauso
wie psychologische, seelsorgerische und sozialarbeiterische Betreuung
durch ein multiprofessionelles Team.
Wie relevant die Bemühung um eine verbesserte soziale Interaktion im Rahmen
einer ganzheitlichen Versorgung sein könnte, wird am Beispiel des subjektiv
empfundenen Einbindungsgrades in das lokale Gemeinwesen oder hinsichtlich
der sozialen Beziehungen und Kontakte zu Nachbarn deutlich. 38% jener
Senioren, die über Sozialdienste betreut werden, gaben an, sich im lokalen
Gemeinwesen eher außenstehend zu fühlen, eher eingebunden fühlen sich
40%; (22% enthielten sich ihrer Stimme).
Noch deutlicher - bei höherer Antwortbeteiligung (nur 10% Stimmenthaltungen)
- wird es bei den sozialen Beziehungen und Kontakten zu Nachbarn: 48%
geben an, hier nur schwachen Kontakt zu haben.
Verkreuzt man nun diese beiden Antwortbereiche, zeigt sich, daß ein starker
Zusammenhang zwischen der Eingebundenheit im Größeren (dem lokalen Gemeinwesen)
und funktionierender sozialer Beziehungen im Kleineren (zu den Nachbarn)
besteht. Umgekehrt läßt sich nachweisen, daß die Mikrobeziehungen (Nachbarn)
einen gestörten Makrobezug (Gemeinwesen) nicht ausgleichen können.
Mit steigendem Alter dünnt sich dabei das Gefühl "sozial eingebunden
zu sein" aus, sodaß der Anteil der Höchstaltrigen (91 und mehr Lebensjahre),
die das Gefühl haben, in lebendigem Kontakt mit ihrer Umwelt zu stehen
um ein Drittel kleiner ist als der jeweilige Anteil in der Altersgruppe
der 61-70Jährigen.
Die heute durch soziale und gesundheitsbezogene Dienste ambulant betreuten
Senioren verfügen über konkrete Erfahrungen mit den jeweiligen Hilfs-
und Betreuungsangeboten. Diese Senioren signalisieren dabei eine sich
verändernde Haltung gegenüber der öffentlichen Hand. So findet es nur
ein Drittel dieser Senioren wichtig, daß die entsprechenden Einrichtungen
und Dienste von der öffentlichen Hand betrieben werden. Immerhin die Hälfte
meint bereits, daß die Senioren diese Angebote mit ihren Bedürfnissen
und Wünschen verstärkt mitgestalten können sollten.
Was die Kosten und persönlichen Ausgaben im Gesundheitsbereich angeht,
kann man deutliche Steigerungen erkennen, was seine Ursache nicht nur
in demografischen Entwicklungen als besonders im enormen medizinischen
Fortschritt hat.
Jene Senioren, die aktuell über die Sozialsprengel ambulant/mobil betreut
werden und damit auch deklariert zu jenen älteren Menschen zählen, die
mit hoher Wahrscheinlichkeit Erfahrungen mit Ausgaben für Heilbehelfe,
Medikamente oder medizinisch-rehabilitativen Dienstleistungen haben, artikulierten
die Dimension der subjektiv erlebten Kostensteigerung.
So meinten 46% der befragten Senioren, daß sich ihre persönlichen Ausgaben
zur Aufrechterhaltung oder Wiedererlangung ihrer Gesundheit in den letzten
3 Jahren sehr stark oder deutlich gesteigert hätten, 34% konnten keine
Veränderung feststellen und 11% gaben gesunkene Kosten an (10% machten
keine Angaben). Besonders in der Altersgruppe der 81-90Jährigen wurden
- noch über dem Altersschnitt liegende - Kostensteigerungen festgestellt
(52% der Befragten gaben sehr stark oder deutlich gestiegene Kosten an).
Die zukünftige Kostenentwicklung ist dabei von mehreren Faktoren bestimmt,
und läßt sich heute nicht seriös festlegen. Da es keinen festen Zusammenhang
zwischen Alter, Betreuungsbedürftigkeit, Gesundheitszustand und familiären
Ressourcen gibt, bleiben alle Trendhochrechnungen ausgesprochen unverbindlich.
Zentraler sozial- und gesundheitspolitischer Ansatzpunkt kann nur die
Prävention von Betreuungs- bzw. Pflegebedürftigkeit bleiben, wobei in
allen Entwicklungsstadien - bei eingetretenem Betreuungsbedarf, bei beginnendem
Pflegebedarf bis hin zum intensiven Pflegebedarf - eigentlich das Prinzip
der Wahl der günstigsten Variante gelten sollte.
Das heißt, daß man aufgrund heute bestehender Erfahrungen beispielsweise
die Entscheidung trifft, die Senioren wo möglich zu Hause zu betreuen,
oder - in einem noch früheren präprofessionellen Betreuungsstadium - daß
durch ein umfassendes Informationsmanagement die individuellen Ressourcen
von Senioren, von deren Angehörigen, von örtlichen Interessensgruppen
usf. möglichst effektiv in einen Gesamtzusammenhang der Betreuung und
Unterstützung von älteren Menschen in Südtirol einfließen können.
Wenn man zum Altern hin ökonomische Betrachtungen anstellt, ist es sehr
wichtig, nicht verzerrten Wahrnehmungen der Betreuungsbedürftigkeit älterer
Menschen aufzusitzen. In Wirklichkeit sind rund 30% der Menschen über
60 in vielfältiger Form - auf niederem Niveau - betreuungsbedürftig. Viel
mehr als intensive Pflege ist dabei die Gewährleistung relativ kleiner,
überschaubarer betreuerischer Dienstleistungen für relativ viele Menschen
über einen relativ langen Zeitraum hinweg wichtig.
Aus vielen Passagen der vorliegenden Studie leitet sich ein Frage- und
Informationsbedarf von Senioren, Angehörigen, zukünftig alten Menschen
ab, der aktuell nur sehr ungenügend gemanagt wird. Dieses fehlende Informationsmanagement
beschreibt dabei weniger ein Versagen der einzelnen Einrichtungen und
Dienste, sondern den Umstand, daß die Interessen der Betroffenen vielfältig,
widersprüchlich, inhomogen und komplex sind, genauso wie auch die angebotenen
Lösungen und institutionell gefaßten Antworten vielfältig, z.T. widersprüchlich,
inhomogen und komplex sein können.
Altenpolitik als solche ist zu einem Querschnittsthema für viele Politikbereiche
geworden und läßt sich nur schwer in einem Ressort bändigen. All dies
spricht dafür, aus den Fragestellungen, die Betroffene aus ihrem Alltag
heraus entwickeln, die Leitlinien einer weiteren Beobachtung der Situation
des Alterns zu beziehen. Die Situation alter Menschen ist in diesem Sinn
ja nie statisch sondern es geht um dynamische Prozesse des Alterns, um
Anpassungsvorgänge, um ein differenziertes System der Bedarfs- und Angebotsentwicklung.
Nicht zuletzt ist eine wesentliche Ableitung der vorliegenden Studie,
daß es eine grundsätzliche Informations- und Veränderungsbereitschaft
der künftigen Senioren gibt, die durch ein geeignetes und gezieltes Informationsmanagement
unterstützt werden sollte.
Die Beobachtung der zukünftigen Entwicklung kann daher nicht in einer
einseitigen Festlegung auf die Rolle des Beobachtens gelöst werden, sondern
nur in einer aktiven, "teilnehmenden", interagierenden Rolle,
die sich nicht auf das Beobachten beschränkt, sondern das Wahrgenommene
verarbeitet, aufbereitet, in höherwertiger Form der Öffentlichkeit wieder
zur Verfügung stellt, selbst in den Gestaltungs- und Definitionsprozeß
"was ist Altern in Südtirol" verantwortungsvoll eingreift.
Nicht der "stumme" Beobachter ist gefragt, sondern eine kompetente,
bislang fehlende Funktion, die Fragestellungen von Betroffenen auf allen
Ebenen (Senioren, Angehörige, junge Menschen, Professionisten etc.) aufnimmt,
sie bearbeitet, auswertet, aufbereitet und damit drei Dinge bewirkt:
a) Ein Marketing von Ideen, Anregungen, Gestaltungsvorschlägen, Modellen
rund ums Altern in Südtirol und damit die aktive Beschäftigung mit diesem
so wichtigen Thema für breite Bevölkerungskreise anregt
b) Die Entwicklung eines "roten Fadens" in der öffentlichen
Diskussion um die Gestaltung von Leistungsangeboten, Versorgungsstrukturen,
Transparenz über die Kostenzusammenhänge etc.
c) Das Aufspüren von Schwachstellen, von Kraftpunkten für Veränderungen,
von Angebotsdefiziten und "blinden Flecken", von sich anbietenden
Allianzen und kooperativen Strategien.
All diese Aufgaben wären geeigneterweise in einer "Informationsstelle
Altern" zusammenzufassen. Bei der bestehenden regionalisierten und
dezentralisierten Leistungserbringung bzw. Entscheidungskompetenz, erscheint
es sinnvoll, das Informationsmanagement, Alternsfragen betreffend, überregional,
zentral zu organisieren. Einige Überlegungen seien dazu angeführt:
* So leuchtet es unmittelbar ein, daß z.B. großflächige Informationskampagnen
nicht erfolgreich sein können, wenn sie nicht zentral und gesamthaft organisiert
und angelegt sind.
* Für viele Fragestellungen erscheint nicht der Regionalbezug von beherrschender
Bedeutung, sondern vielmehr die Vermittlung von Kontakten und Bezügen
über die eigene lokale Wahrnehmungs- und Informationsgrenze hinaus, z.B.
wenn Betroffene Anschluß an eine Selbsthilfegruppe (oder nach weiteren
Interessenten) suchen, von dessen Thema nur relativ wenige Menschen betroffen
sind.
* Aus der Bündelung von Anfragen oder Interessensbekundungen entstehen
bei geeigneter Betreuung nicht selten interessante Modellprojekte. Auch
hier bietet sich eine zentrale Informationsstelle an, die sozusagen als
Innovationsagentur auch einen direkten und einfach zu findenden Zugang
zu neuen Formen des Wohnens, der sozialen Netzwerkunterstützung etc. bieten
könnte.
* All dies steht unter dem "Multiplikatorprinzip". Heute erscheint
es vielfach so, daß Energien zuwenig gebündelt, werden, verpuffen, an
falscher Stelle eingesetzt werden.
In diesem Sinn scheint ein erhöhter Steuerungsbedarf gegeben. Multiplikatorbildung
meint damit, aus der Konzentration von Erfahrungen, Ideen, Ressourcen
und Interesse Bürger wie Professsionisten so anzureichern, daß diese in
ihrem Umfeld Information - und nicht zuletzt Ermutigung - weitertragen
und im Laufe der Zeit zu einer Bewegung führen, die die Gesichter und
Bilder des Alterns in ein für viele Betroffene, Experten wie Laien, freundlicheres
Licht tauchen. Weitere Informationen:
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