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Editorial
In dieser Ausgabe steht eine kürzlich abgeschlossene Evaluationsstudie
zur "Arbeitsmarktausbildung" des Landesarbeitsamtes in Vorarlberg
im Mittelpunkt.
Mit dem Forschungsbereich "Arbeitsmarkt" wird dabei ein Schwerpunkt
unserer "Informationen" für Herbst '94 begonnen.
In den folgenden Ausgaben berichten wir weiters über eine komplementäre
SOFFI-Studie zum "Qualifikationsbedarf im Bundesland Vorarlberg"
sowie über technische und qualitative Aspekte bei der Durchführung eines
dritten arbeitsmarktbezogenen Forschungsprojekts, bei dem das Telefon
als Befragungsinstrument im Vordergrund steht.
Rahmen
Die Studie "Arbeitsmarktausbildung" war vom Landesarbeitsamt
Vorarlberg Ende 1992 ausgeschrieben worden. Das SOFFI-Institut erhielt
im weiteren Entscheidungsverlauf den Zuschlag. Die umfangreichen Erhebungsarbeiten
wurden ab Mai 1993 durchgeführt, im
April 1994 wurde das Projekt mit einem Endbericht und zwei Projektpräsentationen
abgeschlossen. Ziel des Auftraggebers war es, das von ihm veranstaltete
Qualifizierungsprogramm für Personen in Vorarlberg, die sich in einer
Phase der Arbeitslosigkeit befinden, erstmals im Detail zu evaluieren.
Der Komplexität des Themas und den Bedürfnissen seiner Akteure entsprechend,
wurde mit einem mehrgliedrigen Erhebungsinstrumentarium versucht, möglichst
taugliche Zugänge für diese retrospektiv angelegte Arbeit (Kurswesen von
1988 - 1992) zu schaffen.
So wurden sämtliche Absolventen der etwa 150 unterschiedlichen Kurse der
letzten fünf Jahre mittels Fragebogen eingeladen, einerseits nochmals
an die Erlebnisse und Erfahrungen des Kursbesuches anzuknüpfen und diese
zu bewerten.
Die Erfassung spezifisch demografischer Daten ermöglichte darüber hinaus
eine präzise Darstellung der untersuchten Zielgruppe. Kurse für Jugendliche
oder Teilnehmer aus dem Bereich "Rehabilitation" wurden mit
eigens aufbereiteten (und beispielsweise ins Türkische oder Serbokroatische
übersetzten) Fragebögen einbezogen.
Eine Interviewserie rundete dabei die Fragebogenerhebung ab, indem hier
Themenbereiche wie Vermittlung in den Kurs, Motivation für den Kursbesuch
oder persönliche Veränderungen ausführlicher fokussiert werden konnten
und die statistisch trockenen Daten sozusagen lebendigere Züge erhielten.
Einbezogen in die Studie waren selbstverständlich auch die Kursleiter,
die Kursinstitute sowie ein von der Kurszuweisung her sehr wichtiger Bereich,
die Ebene der Berater an den einzelnen Arbeitsämtern. Auch hier wurde
sowohl mit standardisierten Fragebögen als auch mit Vertiefungsinterviews
und informellen Gesprächen versucht, möglichst viel an unterschiedlichen
"Wirklichkeiten" in die Studie einzubeziehen.
Interviews mit Vertetern von Interessenvereinigungen und Personalleitern
bzw. -entwicklern arbeiteten im besonderen die Wahrnehmung des Kursbereiches
aus Sicht der Wirtschaft heraus.
Zur Verarbeitung und Auswertung standen schließlich ein über vierhundertseitiger
Transkriptionsband mit den Interviews, die standardisiert auswertbaren
Daten der Fragebogenuntersuchungen sowie die Konzepte und Unterlagen der
untersuchten Kurse zur Verfügung.
Bilder
Wenn eingangs von Evaluation als Forschungsrichtung die Rede war, kann
man ein wesentliches Ergebnis dieser Studie mit dem Begriff "Evolution"
umreißen: In einem erfreulichen Ausmaß findet man bei eigentlich allen
beteiligten Akteuren und Organisationen das stetige Bemühen um Weiterentwicklung
und Verbesserung des Kurswesens bestätigt.
Dies ist als Befund eines dynamischen, lebendig veränderbaren Geschehens
wahrscheinlich ebenso bedeutungsvoll wie die natürlich auch vorfindbaren
Mängel und Ansätze für weitere - auch grundsätzlichere Überlegungen.
Die einzelnen Kurse wurden in der Auswertung aggregiert und zu Schwerpunkten
zusammengefaßt, wie etwa EDV, Gastgewerbe, frauenspezifische Kurse, Orientierung/Persönlichkeit,
Baugewerbe u.a.m.
Wichtiges Detail in der Erhebungsphase stellte nicht zuletzt der Besuch
aktuell laufender Kurse und die unmittelbare Kontaktnahme mit Kursleitern
und Teilnehmern dar. Auch hier bestätigte sich, daß Qualifizierung ein
sehr wirkungsvolles Instrument im Kampf gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit
sein kann. Die ausgesprochen niedrige Drop-out-Quote von etwa 1,5% bei
gleichzeitig durchaus anspruchsvollen Kursanforderungen bestätigt indirekt
die besondere persönliche Bedeutung, die ein Kursbesuch für die Teilnehmer
hat.
Gerade deswegen muß aber auch genau darauf geachtet werden, für welche
Kursteilnehmer "Bildung" die hilfreichste Intervention darstellt
und wann andere Strategien (wie etwa "Beratung" oder"Case-management")
angezeigter sind. Die Ergebnisse der Studie sollten auch in dieser Richtung
Anregungen bieten.
Die Kursinstitute wurden von den Absolventen weitgehend positiv wahrgenommen.
Nach der Auflösung des BFI vor zwei Jahren sind nun die Arbeiterkammer
und das WIFI die größten Kooperationspartner des Arbeitsmarktservice,
das die Kurse finanziert.
Die Entwicklung in den letzten Jahren zeigte dabei, daß aus einem bisweilen
eher experimentell geführten Bereich ein zunehmend professionelles Feld
berufsbezogener Erwachsenenbildung entstanden ist, das beachtliche Kapazitätszuwächse
erfahren hat.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im einstigen Musterland Vorarlberg
legten hier innerhalb kürzester Zeit einen enormen Bedarf an gezielten
Strategien zum Umgang mit dem Phänomen Arbeitslosigeit offen. Die Kursleiter,
die hier unmittelbar an vorderster Linie agieren, wurden übrigens von
den Absolventen der Jahre 1988-1992 ob ihres Engagements überwiegend positiv
beurteilt.
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