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Test
Die Übertragung der Durchführung von Berufseignungstest an das SOFFI-Institut
ermöglicht dem Auftraggeber, dem Arbeitsmarktservice Tirol, im bestehenden
Personalrahmen ein besonderes Arbeitsziel zu erreichen, das über die vom
Psychologischen Dienst laufend durchgeführten Berufseignungstests hinausreicht:
Eine breite Testung von 400 Jugendlichen aus ganz Tirol hinsichtlich ihrer
beruflichen Eignungen und Neigungen.
In gewisser Weise ist diese Übertragung damit selbst auch ein Test darauf
hin, wie gut hier die partielle Ausgliederung klappt, wie effizient sich
die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Beratern der regionalen Geschäftsstellen
des AMS und dem SOFFI-Institut gestaltet, wieweit eine auf breiterer empirischer
Basis angelegte wissenschaftliche Auswertung hier zusätzlichen Wert schaffen
könnte.
Berufseignung
Vielen Jugendlichen fällt die Entscheidung schwer, was sie nach der Schule
machen sollen und welchen Beruf sie ergreifen könnten. Berufswahl wird
als ein Vorgang betrachtet, in dem der Jugendliche aus einer Vielzahl
beruflicher Möglichkeiten seinen Beruf in einer freien Entscheidung auswählt.
So einfach ist das Ganze allerdings nicht. Zum einen unterliegt der Zugang
zu Berufen vielen sozialen und ökonomischen Beschränkungen, zum anderen
entscheidet der Berufswähler über die zugänglichen Berufsalternativen
nach bestimmten Kriterien, wie Interessen, Fähigkeiten und Wertvorstellungen.
Jede Person verfügt auch über ein bestimmtes Muster von Persönlichkeitsmerkmalen,
und jeder Beruf ist durch ein typisches Muster von Anforderungen gekennzeichnet.
Berufswahl kann als Vorgang gesehen werden, in dem der Berufswähler versucht,
den Beruf zu ergreifen, der am besten zu seinen Fähigkeiten, Interessen,
Wertvorstellungen paßt.
Die Wahl eines Berufes ist keine Entscheidung, die zu einem bestimmten
Zeitpunkt im Leben erfolgt, sondern kann eher als langjähriger Entwicklungsprozeß
angesehen werden, wobei es um die Frage geht, welche für den Beruf wichtigen
Persönlichkeitsmerkmale sich in welcher Lebensphase ausbilden und welchen
Einfluß die Umwelt dabei ausübt.
Kinder beginnen beispielsweise schon sehr früh sich damit zu beschäftigen,
was sie einmal werden wollen; das ist die Phase der Phantasiewahl, sie
dauert bis etwa ins 11. Lebensjahr. Danach entwickeln sich bis etwa 15
Jahre die Interessen und Fähigkeiten konkreter; bis etwa 17 folgt dann
eine Phase des Ausprobierens, wo verschiedene, mögliche Richtungen ausgelotet
werden.
Berufliche Entscheidungen müssen, trotz dieser Tatsachen, in unserem Schul-
und Bildungssystem zu gewissen Zeitpunkten getroffen werden. Eine größere
Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungsgängen bewirkte zwar in letzter
Zeit, daß einzelne Zwischenentscheidungen nicht mehr so endgültig sind,
aber dadurch, daß sich die Anzahl von Gabelungen und Ausbildungsgängen
vermehrt hat, hat sich die Bedeutung der Berufswahl und der Berufsberatung
für den einzelnen eher noch vergrößert.
Berufliche Beratung und psychologische Eignungsdiagnostik sind dazu da,
durch ein Sammeln aller wichtigen Informationen und durch sachgerechtes
Einbringen dieser Informationen in den Entscheidungsprozeß, die Entscheidung
selbst zu erleichtern.
Im Rahmen der Berufsberatung des Arbeitsamtes (Arbeitsmarktservice) erhalten
die Jugendlichen Informationen über die Berufswelt, wie etwa Tätigkeitsfelder,
Ausbildungsbedingungen, voraussichtliche Beschäftigungsmöglichkeiten und
so weiter.
Die psychologische Eignungsdiagnostik soll Informationen liefern über
die in der eigenen Person liegenden Voraussetzungen für das Erreichen
eines persönlichen Berufsziels, sowie der damit in Zusammenhang stehenden
persönlichen Wertungen.
Der Jugendliche muß in dieser Berufswahlphase Entscheidungen treffen,
die sich auf Ausbildung und Beruf beziehen. Er muß sich deshalb mit diesen
verschiedenen Sachverhalten auseinandersetzen. Dazu sollte er Bescheid
wissen über seine Begabungen, Fähigkeiten und seine Schwächen. Die psychologische
Berufseignungsdiagnostik kann hier behilflich sein.
Forschung
Dieses Projekt ist - über die unmittelbare Verwertbarkeit der Einzeltests
für die Betroffenen hinaus - aus einem zweiten Gesichtspunkt von Interesse.
So entsteht durch die flächendeckende Durchführung ein interessantes,
aggregierbares Datenmaterial, in dessen Mittelpunkt Tiroler Jugendliche
in ihrem Berufswahlprozeß stehen.
Wie mit vielen anderen Forschungsprojekten, die an unserem Institut durchgeführt
worden sind, entsteht über diesen intensiven empirischen Zugang auch ein
besonderes Ausmaß an Praxisorientierung. Dieses könnte wichtige Anregungen
und Entscheidungshilfen über den Prozeß der Berufsberatung insgesamt bringen,
aber auch die Grundlagenkenntnisse zur psychologischen Berufseignungsdiagnostik
anreichern.
Um hier möglichst ökonomische Voraussetzungen für eine weitergehende Analyse
des entstehenden Datenmaterials zu schaffen, werden die Ergebnisse den
Bestimmungen des Datenschutzes entprechend anonymisiert und EDV-mäßig
erfaßt.
Insgesamt ergibt sich mit der Hereinnahme dieses Projektes eine zunächst
unkonventionelle Erweiterung im Betrieb als Forschungsinstitut. Gerade
die Grenzüberschreitung erschien uns hier jedoch besonders naheliegend
und ganz im Sinne eines modernen Selbstverständnisses von anwendungsorientierter
Wissenschaft und Forschung zu liegen, das nicht in Forschungsprozessen
steckenbleibt, sondern aktiv die Verknüpfungen zu Anwendung und Umsetzung
sucht.
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