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Fortbildung ist ein zunehmend wichtiger Bestandteil des berufli-chen
Selbstverständnisses von Akteuren im Sozial,- Gesundheits- und Kulturbereich.
Aber auch Gruppen in Institutionen suchen Austausch, Konfrontation und
Weiterentwicklung. Im Markt der Bildungs-Anbieter versuchen wir hier Bewegung
zu vermitteln; sich selbst auf die Reise zu machen, Fremdes, Neues und
auch gelebte Variationen von Bekanntem zu entdecken sind ein wesentliches
Ziel der "Bildungsreisen in Europa". Große Städte Europas laden
dabei als Erfahrungslandschaft ein. In dieser Ausgabe finden Sie ein Stimmungsbild
dieses Programms, eine kurze Rückschau auf zwei Reisen mit geschlossenen
Gruppen.
Städte
Städte haben ihre Eigenart, ihren Geruch, ihre spezifischen Themen - den
Ruf, daß es sich da oder dort "besonders abspielt:" Das Berlin
der innovativen Projekte, besonders das der Selbstverwalteten Betriebe;
Zürich und seine Drogeninitiativen; das Amsterdam der intensiven Bildungsarbeit
für ethnische Gruppen, für Arbeitslose; Wien mit seiner historisch bedeutungsvollen
Stadtentwicklung.
Weil der Ruf meist nicht ohne Grund besteht, und weil es sich lohnt, genauer
hinzusehen, gibt es die SOFFI-Bildungsreisen. 1993 bietet das Soziale
Förderungs- und Forschungsinstitut nun schon im siebten Jahr diese bewährte
Form des Fachseminars an: In einer überschaubaren Gruppe vor Ort, ganz
nah an der Praxis, zur Fortbildung für die eigene Arbeit in Sozialem,
Gesundheit, Kultur.
Spezialreisen
In den letzten beiden Jahr hat sich zu unseren offen ausgeschriebenen
Seminaren eine zweite Ebene an Veranstaltungen entwickelt: Organisationen
bzw. Gruppen realisierten mit dem SOFFI-lnstitut ein geschlossenes Programm,
das auf ganz spezifische Bedürfnisse zugeschnitten war. Für eine 30-köpfige
Studentengruppe des Institus für Soziologie an der Universität Wien konnten
wir beispielsweise ein Programm zum Thema Firmenprojekte und Selbstverwaltung
in Berlin organisieren.
Gleichzeitig versuchen wir aber auch, Gruppen und Institutionen aus dem
benachbarten Aus- land österreichische Geschichte und Gegenwart zugänglicher
zu machen: So organisierten wir in Kooperation mit der Informationssteile
des Zürcher Sozial- und Gesundheitswesens eine "Schweizerische Woche"
in Wien. Stadtentwicklung, soziales Klima, thematische Stadtbegehungen
und Kontaktbesuche boten hier ein dichtes Programm. Für 1993 haben wir
bereits für einige Organisationen Programme entwickelt und sind optimistisch,
daß die Umsetzung für alle Beteiligten eine bereichernde Erfahrung darstellen
wird.
Teilnehmer & Bewegung
Das Konzept, das 1987 mit einer Fahrt nach Berlin begonnen hat, findet
zunehmendes Interesse, und es wächst mit den Interessen der Teilnehmer
- Verwaltungs- Fachleute, Psychologen, Erwachsenenbildner, Sozialarbeiter,
Juristen, Pädagogen, Betriebswirte: Leute, die Hilfe für die Praxis bekommen
haben und diese Hilfe auch zu Hause, in der eigenen Arbeit weitergeben
können.
Nicht wenige Institutionen aus ganz Österreich nehmen die Möglichkeit
inzwischen regelmäßig in Anspruch; für insgesamt 150 Personen sind die
SOFFI- Bildungsreisen bisher zu einer Methode geworden, am Stand zu bleiben.
Seit heuer hat sich in unserem Konzept eine Veränderung ergeben, die die
Organisationsform betrifft. Die bisher jährlich offen ausgeschriebenen
Programme können wir in dieser Form wegen des zu großen Aufwandes und
Unsicherheitsfaktors nicht mehr durchführen. Die ausgezeichneten Erfahrungen
mit geschlossenen Gruppen und maßgeschneiderten Spezialprogrammen bieten
unserer Überzeugung nach jedoch eine ausgezeichnete Alternative.
Reisen mit Konzept
In einer Arbeitswoche in einer fremden Stadt ist viel zu lernen und viel
zu sehen. An den Brenn punkten sozialer Probleme wird vielfach innovativer
gearbeitet, wird vieles möglich, was anderswo kaum denkbar scheint. Wer
mitfährt, will Anstöße über die eigene Institution hinaus sammeln und
kann - was sich für viele Teilnehmer als besonders wichtig erwiesen hat
- internationale Kontakte schaffen über den einen Besuch hinaus.
Deshalb wird die Gesamtzahl der Teilnehmer in Untergruppen beschränkt.
Nur so ist ein Austausch möglich, und niemand muß sich in den besuchten
Projekten und Institutionen wie im Zoo fühlen. Die MitarbeiterInnen dort
erfahren eine Beachtung ihrer Arbeit; das SOFFI bürgt als bewährter Ansprechpartner
für die Verwirklichung dieser Idee. In dieser Atmosphäre werden auch Einblicke
möglich, die einem Einzelbesucher nicht geboten werden könnten oder geboten
werden würden: Erst für eine kleine Gruppe ist es auch möglich, bei Bedarf
Räume anzumieten oder Referenten für ihre Aufwendungen zu entschädigen.
Wer den Kontakt mit anderen Kulturen sozialer Arbeit sucht, ist häufig
geneigt, Kollegen aus an- deren Städten für einen Vortragsabend oder ein
Tagesseminar einzufliegen. Die SOFFI-Bildungsreisen versuchen die Anreiserichtung
einmal umzudrehen und die Zuhörer auf den weg zu schicken - aus gutem
Grund.
Das Sehen kultureller Zusammenhänge vor Ort ist durch keine noch so gute
Diashow zu ersetzen - nicht in dieser Zeit, die die Schlagwörter von der
europäischen Integration und der multikulturellen Zusammenarbeit geprägt
hat. Die SOFFI-Bildungsreisen bieten eine dichte Folge verschiedenster
Kontakte in einer Stadt. Unterschiedliche Sichten werden deutlich, verschiedene
Arbeitsansätze, widerstreitende Positionen. Die direkte Nachfrage im kleinen
Kreis macht diese Differenzen faßbar.
Die Teilnehmer erhalten vor dem Seminar eine Arbeitsmappe mit Material
zu den besuchten Stationen, bei den Besuchen selbst gewöhnlich noch ausführlichere
Unterlagen. Im Laufe der Jahre hat sich eine gute Zusammenarbeit mit Forschungs-,
Bildungs- und Beratungseinrichtungen in den besuchten anderen Ländern
entwickelt, sodaß sich hier der Prozeß des "Besuchens" fortsetzt.
Dem entspricht der Arbeitsansatz des SOFFI-lnstituts, nämlich institutionelle
Grundlagen für modernes wissenschaftliches Arbeiten zu schaffen, das sich
auf einen breiten internationalen Austausch - nicht nur im Forschungsbereich
stützt. In diesem Sinn erschließen sich über die Bildungsreisen sowohl
den Teilnehmern wie dem Veranstalter und den besuchten Einrichtungen wertvolle
gemeinsame Erfahrungen und Perspektiven für die eigene Arbeit.
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