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60% flüchten aus dem Lehrberuf
Umfrage unter 1000 Tiroler Lehrabgängern – AK fordert Reformen: „Der Putz bröckelt“
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Drei von fünf Tiroler
Lehrabsolventen sind laut einer Studie schon nach wenigen Jahren nicht mehr in
ihrem gelernten Beruf tätig. Die AK ruft nach einer Reform der Lehre.
INNSBRUCK (va). Das Soziale Förderungs- und Forschungsinstitut (SOFFI)
hat im AK-Auftrag 1000 Lehrlinge telefonisch befragt. Während der Lehre wechseln
bereits 15 Prozent die Berufsrichtung. Nach fünf Jahren sind von den Absolventen
laut Studienleiter Gerhard Wagner nur noch 44% im früheren Lehrberuf tätig, nach
zehn Jahren gar nur noch 39%. Bei den Frauen ist der Anteil u.a. wegen der
Kinderpausen mit nur 28% im gelernten Beruf nach zehn Jahren noch deutlich niedriger.
Laut Wagner sei die Berufsflucht quer durch viele Lehrberufe zu beobachten,
die größte gebe es aber im Tourismus, am Bau, im Handel und bei körperbezogenen
Dienstleistungen (etwa Friseurinnen). In diesen Berufen seien nach zehn Jahren
gerade noch 33 bis 35% der Lehrabgänger tätig. Überdurchschnittlich hoch sei die
Berufstreue etwa bei Maschinen/Kfz (49%) oder im Büro (47%). Viele Lehrlinge würden
oft auch als Hilfsarbeiter in andere, besser bezahlte Branchen wechseln.
Dabei geben immerhin 61% aller befragten Lehrabsolventen ihrer Ausbildung die Noten 1
oder 2. Und rund 90% gaben an, das in der Lehre vermittelte Wissen im Beruf gut
gebrauchen zu können.
Weitere Ergebnisse der Studie: 41% der ehemaligen Lehrlinge würden sich heute für
einen anderen Beruf entscheiden, ein Drittel fühlte sich bei der Berufswahl
überfordert.
Für AK-Präsident Fritz Dinkhauser ist die duale Lehrausbildung in Schule und Betrieb
von der Idee „ein tolles System, der Putz bröckelt aber gewaltig“. Die Lehre brauche,
um nicht unter die Räder zu kommen, eine Runderneuerung. „Ein paar Tage schnuppern
ist nicht nur vor einer Ehe, sondern auch im Beruf zu wenig“.
Der Leiter der AK-Jugendabteilung, Peter Schuhmacher, verlangt ein Controlling der
Lehrlingsausbildung. „Bei der Lehrprüfung ist es viel zu spät.“ Die AK verlangt die
Einführung eines Ausbildungs-Passes, auf dem die geforderten Berufskenntnisse
festgeschrieben sind. Die Ausbildung müsse auch breiter werden.
Tiroler Tageszeitung Nr. 105. Donnerstag, 6. Mai 2004
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