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EDITORIAL
Vom 21. bis 25. April 1993 besuchten 48.200 Besucher die Innsbrucker
Frühjahrsmesse. In Halle 1 gab es heuer eine gelungene Neuerung: Erstmals
wurde dem Messepublikum eine umfassende Veranstaltung zum Thema Gesundheit
als Sonderschau angeboten.
Im Auftrag der Tiroler Landesregierung sorgte das SOFFI- Institut für
ein völlig neues Konzept und die Koordination dieser Veranstaltung.
Diese Ausgabe soll rückblickend einige Facetten dieser spannenden Aufgabe
- Marketing im Gesundheitsbereich zu professionalisieren - aufgreifen.
Wer geht wohin?
LR Dr. Walter Hengl, der als Landesrat für Gesundheit und Soziales hier
die Weichen für eine Neuausrichtung der früheren "Landesgesundheitsaustellung"
gestellt hatte, verdeutlichte in seiner Presseerklärung: "Die Gesundheit
kommt zu den Menschen! Die neue Form der GESUNDHEIT '93 will insbesondere
bisher weniger an der Gesundheit Interessierte ansprechen und geht daher
zu den 50.000 Besuchern der Innsbrucker Frühjahrsmesse ....."
Damit ist auch schon eine der Schwierigkeiten angesprochen, die bei vielen
der etwa 80 beteiligten Institutionen zunächst Skepsis gegenüber diesem
Vorhaben auslöste. Gelingt es überhaupt, "weniger Interessierte"
anzusprechen, mit ihnen in Kontakt zu kommen? Ist dabei das Abrücken von
Selbstdarstellung und Einzelpräsentation und das Zusammenrücken in Gemeinschaftsständen
der richtige Weg? Wieweit läßt sich die gewachsene Unübersichtlichkeit
und Komplexität des Gesundheitswesens reduzieren, für Messebesucher zugänglicher
machen?
All diese Fragen und die darin keimenden Zweifel sind auch motiviert von
der Ausgangsüberlegung: Wer geht wohin? Zweifellos bequemer ist es, zu
warten, bis die Patienten, Klienten oder Hilfesuchenden das Amt, die Ambulanz,
die Einrichtung oder Beratungsstelle aufsuchen (müssen). Anstrengender
und herausfordernder wird es, selbst den ersten Schritt zu machen, sich
ein Stück weit der Öffentlichkeit auszusetzen, sich vielleicht auch nur
"anschauen" zu lassen.
Dieser erste gemeinsame Schritt von 80 Institutionen war in dieser Hinsicht
ein großer Erfolg. Besonders erfreulich ist die Tatsache, daß von den
"Großen", wie etwa den Sozialversicherungen, den Krankenanstalten,
den Kammern, über die Beratungseinrichtungen, Pflegedienste, Ausbildungszentren
bis hin zur neu entstandenen Selbsthilfegruppe sich alle gemeinsam und
als zusammengehöriges Ganzes präsentiert haben. Dies war wohl eine der
bedeutungsvollsten Botschaften, die vermittelt wurde.
Motor der Präsentation war daher auch nicht missionarischer Eifer, sondern
das Bewußtsein, daß letztlich dem Besucher die Entscheidung überlassen
bleiben sollte, wie er sich den unterschiedlichen Aspekten von Krankheit
und Gesundheit nähern will.
... und was kommt dabei heraus?
Die Auswertung der Besucherströme ergab ein ermutigendes Bild. 78 Prozent
der Messebesucher waren auch auf der GESUNDHEIT '93 und honorierten mit
den Noten sehr gut/gut die Gestaltung und den Einsatz aller Beteiligten.
Der unerwartet starke Besucherandrang zu dieser Sonderschau überraschte
selbst Messeprofis wie Messedirektor Ernst Scartezzini, der weitaus weniger
Besucher auch noch als Erfolg gewertet hätte.
Die Aufgliederung in thematische Gemeinschaftsstände (siehe unsere letzte
Ausgabe zum Thema "Projektmanagement"), die Einbeziehung der
Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH, die Einrichtung einer "Straße
der Gesundheit", der völlig offen gestaltete zentrale Veranstaltungsbereich
eröffneten einen neuen Blick auf das Gesundheitswesen.
Dieses stellte sich dar als buntes, ineinandergreifendes Netz von Einrichtungen,
das immer nur so effizient bleibt, wie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit
reicht.
Ein bemerkenswerter Effekt, der von allen Beteiligten besonders hervorgehoben
wurde, ist die in Gang gekommene Kommunikation "nach innen".
Die Messe als Kultivierung des Marktes hat damit einen sehr wichtigen
Nebeneffekt erfüllt: Die Förderung des Austausches und des heute wichtig
gewordenen Vernetzungsgedankens.
Hintergründe
Die Einrichtung einer funktionierenden Organisationsstruktur in der Vorbereitungsphase
dieser Veranstaltung stellte den ersten Meilenstein bei diesem Projekt
dar. Mit 6 Themenkreisen, dem Koordinationsbeirat, der Sanitätsabteilung
des Landes Tirol, der TILAK GmbH, den Betreibern der Gesundheitsstraße,
dem Naturkostrestaurant, den Werkgruppen, Künstlern und Dekorateuren und
der Innsbrucker Messe GmbH. wurden etwa 70 Besprechungen abgehalten. 120
Stunden davon wurden schriftlich dokumentiert. 2.600 Aussendungen an die
unterschiedlichen Gruppen, Institutionen und Mitarbeiter zeugen vom Umfang
des Informationsflusses.
Die Moderation der Themenkreise stellte dabei ein Kernstück dar. Immerhin
gelang es, das Konzept dieser Veranstaltung, mit der Betonung der Leitbegriffe
Kooperation, Gesamtheitlichkeit, Vernetzung überzeugend umzusetzen.
Als wichtigstes Ergebnis der Auswertungsgespräche hielt der Koordinationsbeirat
fest, daß demnach für nächstes Jahr in ähnlicher Form und mit gleicher
Organisationsstruktur weitergearbeitet werden sollte. Dies bestätigt unsere
Auffassung, daß mit der Zuweisung (bzw. dem Verkauf) von Standflächen
allein eigentlich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten fast aller beteiligten
Institutionen und Gruppen vorbeigearbeitet werden würde.
Gesundheit '94?
Mit der vom Publikum gut angenommenen Veranstaltung GESUNDHEIT '93 wurde
der Grundstein für ein längerfristiges Engagement des Landes Tirol auf
der Innsbrucker Frühjahrsmesse gelegt.
In einem zweiten Schritt zeichnen sich neue Arbeitsschwerpunkte für eine
allfällige Folgeveranstaltung 1994 ab. So wurde von allen Themenkreisen
erkannt, daß gestalterische Rahmenstrukturen alleine zuwenig sind, um
erfolgreich 5 Tage Messegeschehen zu bewältigen. Gewünscht wurde daher
einhellig eine intensive inhaltliche Beschäftigung mit den Themen Gesundheitsmarketing,
Präsentation und Standbetreuung.
Der Veranstaltungsbereich war mit insgesamt etwa 2.500 Besuchern manchen
zuwenig ausgelastet. Unbestreitbar bleibt, daß er für Leben in der Halle
sorgte. Die für viele Referenten und Akteure zunächst ungewohnte Umgebung,
in der man sein Publikum erst gewinnen muß, Teilaufmerksamkeit einzukalkulieren
ist, stellte eine Herausforderung dar. Als Erfahrung für künftige Veranstaltungen
mitzunehmen bleibt, daß weniger die Auftrittsmöglichkeit möglichst aller
beteiligter Institutionen im Vordergrund stehen sollte. Inhaltliche Schwerpunktsetzungen
mit einem professionell durchgestalteten Programm könnten hier für noch
bessere "Reichweiten" sorgen.
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